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...weil Zeitloses keine Eile kennt

Die Bolichwerke in Odenheim stehen für traditionelle Leuchten-Manufaktur

Wirtshaus Carl: „Berlin“ aus der Bolich-Manufaktur leuchtet zum Beispiel über den Gästen in Carls Wirtshaus in Karlsruhe. Fotos: Simone Staron

Östringen-Odenheim (psp). Es sind zwei Dinge, die beim Betreten der Bolichwerke in Odenheim sofort spürbar sind: die Gelassenheit und der freundschaftliche Umgangston. Was gänzlich fehlt ist Hektik. Hier wird nicht unter Zeitdruck gearbeitet. Der wäre auch gänzlich fehl am Platz, denn bei der Herstellung der Bolich-Produkte braucht es vor allem eins: Fingerspitzengefühl. Seit 1911 fertigt die Firma Bolich Leuchten. „Die Zukunft liegt im elektrischen Licht“, mit dieser Maxime hat Firmengründer Eugen Bolich damals begonnen, Lampengehäuse aus Metall herzustellen. Heute, 107 Jahre später, finden sich diese Leuchten in der Kollektion „Ebolicht“ wieder.


Was früher zweckmäßig war, ist heute klassisch. Was damals mit Ziffern gekennzeichnet wurde, heißt nun „Berlin“, „Mannheim“, „Hamburg“ oder „Potsdam“. Und – Ebolicht-Leuchten erfüllen mit ihrer Gründerzeitoptik nicht nur ihre ureigene, erhellende Aufgabe, sondern sind als edle Dekoration mindestens genauso beliebt. Im Camp Resort des Europaparks Rust hängen sie beispielsweise an der Wand, im Stuttgarter SI-Zentrum sorgen sie für stimmungsvolles Licht, auf dem Stubaier Gletscher strahlen sie im Schaufelspitz, dem höchsten Zwei-Hauben-Restaurant (vom Gault-Millau in Österreich ausgezeichnete Küche) der Welt mit dem Schnee um die Wette. Auch Bäckereien, wie zum Beispiel im Bahnhof Bruchsal, Ausstellungsräume, Vinotheken, Cafés, unter anderem in Paris, oder Hotels setzen auf Ebolicht. Und wer denkt, er habe die charakteristischen Bolich-Lampen neulich im Fernsehen oder im Kino gesehen – stimmt! Auch Film- und Theaterausstatter in Berlin, München und Düsseldorf verwenden sie gerne, die Leuchten aus Odenheim. So kommt es, dass sie beispielsweise verschiedene Tatort-Folgen erhellen, über „Germanys Next Topmodels“ leuchten oder Til Schweiger in „Kokowääh“ ins rechte Licht setzen. Auch das Privathaus des Schauspielers in Hamburg wurde mit drei Leuchten aus dem Ebolicht-Programm ausgestattet und hier musste der ausführende Elektriker die Erfahrung machen: Gut Ding will Weile haben, berichtet der Seniorchef Günther Bolich schmunzelnd. Die auf schnellere Lieferung drängenden Anrufe aus der Hansestadt wurden mit der eingangs erwähnten Gelassenheit beantwortet: „Bolich-Leuchten brauchen ihre Zeit“. Sie werden schließlich von Hand gefertigt, in traditioneller Handwerkskunst. Jeder Schritt – zuschneiden, lochen, stanzen, biegen, drücken, tiefziehen, punktschweißen, pulverbeschichten, einbrennlackieren und endmontieren – erfolgt in Odenheim mit spezialisierten Mitarbeitern, die zum großen Teil bereits Jahrzehnte hier beschäftigt sind. So sind kleine Serien produzierbar, Kundenwünsche können individuell erfüllt werden, mit vielfältigen Kombinationsmöglichkeiten, so gibt es allein bei einem Leuchten-Typ 1470 Standard-Varianten. Auch einzelne Sonderanfertigungen, die Umsetzung von spezifischen Entwürfen sind möglich, erklärt Benny Bolich.


Der Tradition von Herzen verpflichtet: Vater Günther und Sohn Benny führen in dritter und vierter Generation die Manufaktur weiter

Der 30-jährige Betriebswirt, Benny Bolich, ist vor fünf Jahren in die Firmenleitung eingetreten. Er ist die vierte Generation Bolich und sei „in die Firma reingewachsen“. Sein Vater Günther, ebenfalls Betriebswirt, hat die Unternehmensführung 1974 übernommen. Die Bolichwerke sind ein reinrassiger Familienbetrieb. Nach dem Unfalltod des Gründers Eugen 1960 übernehmen die Kinder seines Bruders Anton die Geschäfte. Karl und Erich Bolich teilen sich die Firmenleitung, bis Erich den kaufmännischen Staffelstab an seinen Sohn Günther weitergibt. Auch wenn heute Benny Bolich in die Fußstapfen getreten ist, bleibt sein Vater nach wie vor Ansprechpartner „für besondere Themen“, lacht Benny. Er nimmt sich Zeit, auch die abwegigsten Kundenfragen zu beantworten, denn egal um was es geht: „Individuelle Produkte brauchen individuelle Betreuung. Wir nehmen jede Anfrage ernst und suchen nach Lösungen. Ein ‚Nein‘ gibt’s es nur ganz selten“, sagt Günther Bolich. Wenn Vater und Sohn von ihren Produkten und deren Herstellung sprechen, dann tun sie das mit Begeisterung. Sie brennen beide für das, was ihr Vorfahre vor über 100 Jahren entfacht hat. Und mit ihrer Gelassenheit sagen sie: „Wir brauchen unser Licht nicht unter den Scheffel zu stellen“.


In echter Handwerkskunst werden in Odenheim alle Herstellungsschritte für die Leuchten von Hand ausgeführt


Zu Bolichwerke:
Die Bolichwerke in Odenheim wurden 1911 gegründet und sind seither in Familienbesitz. Sie produzieren neben der Klassikleuchtenserie Ebolicht auch Freistrahl- und Montageleuchten und beschäftigen 32 Mitarbeiter. Infos gibt es unter www.bolichwerke.de oder telefonisch unter 07259 8000.

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